Kaufmännisch oder kameral

Kameralistik

Die Kameralistik stellt in ihrer einfachsten Form eine Einnahmen- und Ausgabenrechnung dar, sie bildet den Geldverbrauch ab.

Es kann die Frage beantwortet werden, ob ausreichend Geld für Ausgaben eingeplant wurde. Die kameralistische Haushaltsführung kennt keine Inventur und kein Inventar mit Wertangaben, es gibt lediglich Inventarlisten ohne Deklarationen. Der Verbrauch der Ressourcen kann nicht erfasst werden.
 
Daten und Informationen für eine entscheidungsorientierte Kosten- und Leistungsrechnung stehen nicht zur Verfügung. Die Kameralistik dient also lediglich der Sicherung der Zahlungsfähigkeit. Entscheidungen zu Fragen der Effizienz sind unmöglich.

Die Doppik

Die Doppik ist der kaufmännische Rechungsstil der freien Wirtschaft, jeder Buchungssatz wird betragsgleich im Soll und Haben gebucht. Vom externen Rechnungswesen bis hin zur Kosten- und Leistungsrechnung bietet die Doppik sämtliche Instrumente, welche man zur Steuerung benötigt. Neben dem Geldvermögen wird zusätzlich das Anlagevermögen und das Vorratsvermögen überwacht. Die doppelte Rechnungslegung erfasst in einer Gewinn- und Verlustrechnung alle Erträge und Aufwendungen. Der Ressourcenverbrauch wird abgebildet. Das Rechnungswesen liefert Informationen über die Wirtschaftlichkeit des Handelns der Verwaltung. Es werden Anreize für wirtschaftliches Handeln geboten. Das Kostenbewusstsein steigt. Die Doppik ermöglicht einen Gesamtüberblick über die finanzielle Lage. Im überjährigen Vergleich ist die Entwicklung des kirchlichen Vermögens sichtbar. Vereinfachend gesagt ist die Doppik ein Abbildungsinstrument, das die Realität aussagekräftiger als die Kameralistik darstellen kann. Beispielhaft ist der verbreitete Instandhaltungsstau in kirchlichen Immobilien. Im Gegensatz zum doppischen Rechnungswesen versteckt die Kameralistik den schleichenden Werteverfall.

Der Württemberger Weg - die erweitere Kameralistik

Die erweiterte Kameralistik kann diese Fragen grundsätzlich auch beantworten. Die Einnahmen- und Ausgabenrechnung wird durch Elemente der Kosten- und Leistungsrechnung ergänzt. Kalkulatorische Kosten und Leistungen finden Berücksichtigung. Im Bereich der Landeskirche Württemberg hat man sich für diesen Weg entschieden. Die Basis des neuen Rechnungswesen bildet die kaufmännische Buchhaltung aus deren die Kosten- und Leistungsrechnung, Bilanz, Ergebnisrechnung und ein Ressourcenverbrauchskonzept erstellt werden kann. Um jedoch in den Bereichen Planung und Bewirtschaftung weiterhin vertraute kamerale Werkzeuge einsetzen zu können, wurde die Oberfläche des künftigen EDV-Programms dominant kameral ausgestaltet. Zudem wurde das System um den Bereich der inhaltlichen Planung ergänzt. Dadurch ist es möglich, die kameralen Kenntnisse vieler kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter zu nutzen, ohne für das kirchliche Finanzmanagement ein neues eigenes kamerales EDV-Programm entwickeln zu müssen.

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